wöchentliche Kolumne
Weitere Geschichten mit heiteren Alltäglichkeiten finden Sie in den
vierzehn Büchern von Brigitte Koischwitz, gleich hier in unserem Shop.
Oder mal Brigitte Koischwitz „live“ erleben in ihrem Einfrautheater in
Bad Endbach. Ein Erlebnis ganz eigner Art. Informationen, siehe
Startseite.
( Rechtlicher Hinweis: Eine Nutzung dieses Textes, welcher Art auch immer, ist
ausschließlich nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages B. Koischwitz. möglich.! )
Frohlockend wird in die Hände geklatscht, denn bei genauerer Betrachtung sind das volle sieben Tage und Nächte. Und weil das noch so lange hin ist, wendet man sich leichteren Aufgaben zu, die vom Potential der Wichtigkeit natürlich in keinster Weise an diese brisanten Unterlagen heranreichen.
Doch würde man sich gleich an die Arbeit der wesentlichen Dinge für jene Besprechung machen, wäre das gemütlich in zwei Tagen zu schaffen und man könnte fünf Tage der Entspannung vor sich herschieben.
Doch wie der Mensch nun mal so ist, schiebt er lieber fünf Tage der Untätigkeit vor sich hin, um dann - wenn er sehr gut drauf ist - zwei Tage vorher anzufangen. Das wäre allerdings der Glücksfall. Neunzig Prozent der normal gestrickten Menschen fangen einen Tag vorher an und das kann sich sogar bis tief in die Nacht, gar in den frühen Morgen hinziehen.
Ein hoch aufreibender und schweißtreibender Prozess, der bei geringsten Anlässen zu hysterischen Ausbrüchen führt. Beispielsweise wenn von den Fragebögen, die es gilt mühevoll auszufüllen, plötzlich einer fehlt. Da setzt im Oberstübchen alles aus.
Ohne Rücksicht auf Verluste wird unter übelsten Flüchen das gesamte Material ein-, zwei- und dreimal durchgemischt und von links nach rechts geschmissen. Wehe das Blatt findet sich nicht, dann sinkt solch vom Schicksal verlassener Mensch in sich zusammen und übt sich bühnenreif in tiefster Verzweiflung.
So erging es Freundin Gitta. Bis früh in die Morgenstunden hatte sie geschuftet. Als sie alles zusammentragen wollte, fehlte ein Blatt. Auf unerklärliche Weise schien es in einem imaginären Loch verschwunden zu sein.
Ausgerechnet klingelte es auch noch an der Haustür, aber das war glücklicherweise ich! Fröhlich, mit einer Tüte Brötchen winkend, wollte ich mit ihr an diesem Morgen frühstücken. Daraus wurde nichts, denn laut heulend fiel mir Gitta in die Arme: "Du", hauchte sie mit letzter Kraft, "bloß gut!"
Schluchzend und schniefend führte sie mich zum Schreibtisch. "Da hat es gelegen", tippte sie mitten auf den Schreibtisch, "da genau an dieser Stelle und dann war es weg!" Immer wieder tippte sie auf die gleiche Stelle des Schreibtisches, wobei dies Tippen schon mehr in Klopfen und Hämmern ausartete. "Da, da, da, da, da und nochmal da hat es gelegen, es war der wichtigste Teil meiner Unterlagen!"
Voller Ausweglosigkeit ließ sie sich in den Stuhl fallen und döste resigniert vor sich hin. "In einer Stunde muss ich los, ich bin noch ungeduscht und da ich dringend diesen Job brauche, wollte ich mich auch noch ordentlich aufbrezeln. Wenn ich diese Seite nicht finde, ist alles aus!"
"Meine Liebe, du bist total übermüdet. Es heißt doch: Haus verliert nichts. Du gehst duschen und aufbrezeln und ich suche!" Also zaubern kann ich wirklich nicht, aber ein Griff, ein Pfiff und die Seite ward gefunden!
Nun gut, wenn ich ganz ehrlich bin, da lugte so ein kleines weißes Zipfelchen unter dem Schubladenkasten hervor. Ich zog daran und Wie es da hingekommen ist, weiß nur das Universum.
Gitta kam noch pünktlich auf den Weg, während sie sich in ihr schickes Kostüm zwängte, fütterte ich sie mit frischem Brötchen und hielt ihr die Tasse mit dem Kaffee unter die Nase.
Last Updated (Thursday, 02 September 2010 17:36)

Woechentliche Kolumne
